Sonntag, 17. April 2011

Busreisen in Nepal


Out of India

Nun haben wir Indien also verlassen und sind in Nepal angekommen. Die Grenzbeamten waren hier so entspannt, dass wir auch ohne weiteres auf die Visaformalitäten hätten verzichten können, denn kontrolliert hat uns eigentlich keiner. Und wir waren noch nicht ganz in Nepal angekommen, da haben wir auch schon 2 Dinge kennen gelernt, die sich hier als unsere ständigen Begleiter etabliert haben. Stromausfälle (unsere Visaformulare haben wir im Schein unserer Handys ausgefüllt) und Busreisen auf dem Dach.


Aber der Reihe nach. Unsere Überlegung war, uns vom äußersten Südwesten Nepals aus langsam in Richtung Kathmandu zu bewegen. Und so sind wir erstmal 3 Tage in Mahandra Nagar hängengeblieben, einer Stadt, die in unseren Reiseführern übereinstimmend als stinklangweilige Grenzstadt, die man möglichst bald hinter sich lassen sollte, beschrieben wird. Und zu Recht, aber wir haben die Zeit gebraucht, um uns ein bisschen einzugewöhnen, uns zu einigen, was wir überhaupt von Nepal sehen wollen, Geld zu wechseln, endlos im Internet zu surfen und in die nepalesische Küche einzusteigen. Und eine Jeepsafari im nahegelegenen Nationalpark zu machen, der von Touristen aus dem Ausland so gut wie nie besucht wird, weil er so weit ab vom Schuss liegt. Und um ehrlich zu sein, haben die auch alle nichts verpasst, denn mit Ausnahme von ein paar hirschähnlichen Tieren (wir haben immer noch nicht herausgefunden, was “Swamp deer” genau heißt, mit dem Internet ist das hier so eine Sache) haben wir nichts gesehen. Ach, ja und auch die größte Hängebrücke Asiens (angeblich!) ist nicht rechtzeitig vor unserem Jeep geflohen. Aber Tiger, Rhinos, wilde Elefanten - Fehlanzeige!


Begegnung auf der Elefantenfarm

Glücklicherweise sind wir dann aber auf unserem Weg nach Osten im Bardia National Park gelandet, und glücklicherweise waren wir diesmal so clever zu Fuß loszuziehen, in Begleitung eines wirklich guten Guides, und dann haben wir sie eben doch gesehen!!!






Hier haben wir auch das erste Mal sehr stilecht in einer Lehmhütte gehaust, das war eigentlich ganz gemütlich.
Dann haben wir uns aufs nächste Busdach geschwungen und sind nach Lumbini gefahren, welches der Geburtsort von Buddha ist.



Sei es, dass wir vom Buddhismus relativ unbeleckt sind, sei es, dass es einfach wahnsinnig heiß war, sei es, das wir eine völlig moskitoverseuchte Unterkunft hatten, nachdem wir seinen Geburtsstätte und einige umliegende Tempel besichtigt hatten, hatten wir auch schon genug und sind schnurstracks noch am selben Tag in die Berge gefahren.


Und hier sind wir nun in Pokhara angekommen, einem beliebten und von westlichen Touristen  entsprechend frequentierten Ausgangspunkt für Trekkingtouren in die Himalayaregion und überlegen, welche Trekkingroute den besten Kompromiss für die Wanderoptimisten und die Fußlahme unter uns darstellt. Was dabei rauskommt, könnt ihr hoffentlich im nächsten Blog lesen, falls Strom und Internet mal eine Weile auf unserer Seite sind.




Donnerstag, 7. April 2011

Rajasthan oder Großtierhaltung in Innenstädten

Das letzte Mal hatten wir uns aus Jaipur gemeldet, der Hauptstadt Rajasthans. Hier waren wir am Abend des Holifestes angekommen, das ist ein bisschen so wie Köln am Aschermittwoch. Nichts los, alle haben einen dicken Kopf und die Zeitungen sind voll von guten Ratschlägen, was man gegen den Kater am nächsten Morgen machen sollte. Den hat man hier allerdings nicht wegen zu viel Alkohol, sondern wegen Bhang, also Marihuana, das hier übrigens genau so wenig legal ist wie bei uns. Die guten Ratschläge sind aber die gleichen, wie die für den Alkoholkater, falls es jemanden interessiert.
In Jaipur gibt es, wie auch in Udaipur und Jodhpur, wunderschöne Maharadschapaläste zu besichtigen, was wir auch getan haben. Was uns daran fasziniert hat ist neben der architektonischen Schönheit die Tatsache, dass sie immer noch von den jeweils amtierenden Maharadschas bewohnt sind. Zwar immer nur in Teilen, die dann natürlich nicht zugänglich sind, aber wenn die so aussehen, wie der Rest, dann lebt es sich da nicht schlecht! Die Beschreibung der einzelnen Paläste ersparen wir uns und euch, dafür gibt’s ein paar Fotos mehr!

Palast der Winde, Jaipur

Pfauentor am Stadtpalast, Jaipur

Tauben im Kronleuchter, Stadtpalast, Jaipur

Elefantenkarawane zum Amber Fort, Jaipur

Amber Fort von vorne

Restauratoren am Amber Fort


Jaipur hat uns, davon abgesehen, allerdings nicht besonders gefallen, obwohl es eine ganz schöne Altstadt hat, die als Pink City berühmt ist, weil man die Häuser mal zu Ehren von Prinz Albert rosarot angemalt hat. Die sehen allerdings heute eher schmuddelig-orange aus, und es ist da wahnsinnig dreckig. Wirklich genervt haben uns aber hier die Rikschafahrer, Verkäufer und all die anderen Pusher, die sich hier mit noch viel mehr Elan als anderswo auf die Touristen stürzen. Jedenfalls waren wir froh, als es dann weiter in Richtung Udaipur ging. Allerdings mussten wir vorher auf dem Bahnhof von Jaipur noch 5 Stunden nachsitzen, weil der Zug so spät kam. Und natürlich war das der mit Abstand schlimmste Bahnhof, den wir bis dahin kennen lernen durften. Nicht zum ersten Mal, aber hier ganz besonders haben wir uns gefragt, warum der Mensch so konstruiert ist, dass er zwar die Augen schließen kann, aber die Ohren nicht. Und die Nase auch nicht. Und auch unser Plan, uns die Nachtfahrt mit ein paar Kingfisherbieren schön zu trinken hat nicht funktioniert. Als der Zug nachts um halb 2 endlich kam, waren wir wieder stocknüchtern und verkopfschmerzt.


In Udaipur hatten wir mehr Glück und das tollste Zimmer unserer ganzen Reise in einem umgebauten Haveli. So heißen die prächtigen Häuser, die sich die reichen Kaufleute mit viel Sinn für Schnörkel, Steinschnitzereien und Spiegelchen seinerzeit haben errichten lassen. Udaipur, die weiße Stadt, ist freundlich, überschaubar und liegt sehr schön an einem See, den man im heißen und trockenen Rajasthan gar nicht erwarten würde. Hier wurde “Octopussy” gedreht, den haben wir uns natürlich noch mal auf der Dachterasse unseres Hotels angesehen.
Jain Tempel, Udaipur

Stadtpalast Udaipur

Like to visit my shop? Unser Zimmer in Udaipur


Von dort aus haben wir dann einen Bus nach Jodhpur genommen, um mal ein anderes Verkehrsmittel als den Zug auszuprobieren. Das war ziemlich abenteuerlich, weil der Bus definitiv keine Federung hatte und wir über eine sehr (!) holprige Strasse gefahren sind. Ein schönes Erlebnis war immer wieder, wenn der Bus über eine tiefe Bodenwelle gefahren ist, sich die Sitzfläche bodenwärts verabschiedet hat und man mit dem Kopf schwungvoll gegen die oben befindlichen Schlafkojen geknallt ist. Das gab jedenfalls immer ein großes Hallo.


Jodhpur, die blaue Stadt, hat dann alles, was wir bisher in Indien an Kühen in den Innenstädten gesehen haben in den Schatten gestellt. Der Wahnsinn!!! Und alles vollkommen zugeschissen, was ein Jammer ist, denn die Stadt ist sonst sehr schön. Wir hatten wieder ein schönes Havelihotel, direkt unterhalb des Forts, aber eben auch mitten in der Rinderfarm, wenn man so will. Das ist hier auch offensichtlich einigen Anwohnern zu viel, denn ob heilig oder nicht, haben einige Ladenbesitzer die Kühe ziemlich rüde von der Strasse vor ihren Geschäften verscheucht. In Jodhpur gibt es auch einen tollen Basar mit vielen schönen Gewürzen und allem anderen auch, aber unsere Rucksäcke sind jetzt schon bis zum Anschlag voll, also haben wir uns zurück gehalten.

Jodhpur, die blaue Stadt

Im Fort von Jodhpur


Von Jodhpur aus fährt jeder Tourist nach Jaisalmer, eine eher kleine Stadt in der Wüste Thar nahe der pakistanischen Grenze. Wir natürlich auch. Und fast alle machen von dort aus eine Kamelsafari in die Wüste. Wir auch, und das war eines der schönsten Erlebnisse unserer Reise. Mit drei Schweizerinnen, mit denen wir seit Jodhpur unterwegs waren sind wir als Minikarawane 2 Tage lang durch die Wüste geritten. Kamelreiten ist ganz schön anstrengend, in erster Linie, weil man keine Steigbügel hat und damit seinen Hintern nicht entlasten kann, der es einem spätestens am 2. Tag mit wunden Stellen dankt. Aber die Kamele waren klasse, ließen sich sogar etwa dahin lenken wo man hin wollte, und auch die Aufforderung zum Hinlegen und Aufstehen haben sie freundlicherweise auch von uns Touristen akzeptiert. Und wenn es einmal losrennt, ist so ein Kamel auch ganz schön schnell! Besonders schön war natürlich die Übernachtung unter freiem Himmel in den Sanddünen, wobei die Wüste sonst eher steppig aussieht.
Am Abend nach unserer Rückkehr waren wir dann noch auf der Geburtstagsparty einer der Schweizerinnen, mit Jeeptour, Livemusik, Tanzen und Torte in der Wüste!

 Fort von Jaisalmer

  



Der fröhliche Taliban - Baba, unser Kameltreiber mit Kamelhaarbart


Und jetzt sind wir seit 5 Tagen in Delhi, unterbrochen von einem kurzen Abstecher nach Agra zum Taj Mahal. Von hier aus werden wir, so wie es aussieht, mit unserem Engländer aus Goa in Richtung Nepal weiterziehen. Delhi gefällt uns übrigens gut. Wir hatten nicht viel Nettes über die Stadt gehört und entsprechend wenig Lust herzukommen, aber es ist weder langweilig noch unerträglich heiß sondern einfach nett und es gibt viel zu sehen (obwohl wir die Highlights “Rotes Fort” und “Indian Gate” immer noch nicht besucht haben, machen wir aber noch, Ehrensache). Und hier kann man sich auch wieder ohne “Hello my friend, visit my Shop” mit den Leuten unterhalten, das haben wir in Rajasthan ein bisschen vermisst.
Und auch die Frage nach unserer Herkunft beantworten wir wieder wahrheitsgemäß. In Rajasthan wird man das auch ständig gefragt, und auf “Germany” gab es immer eine von 3 Standardreaktionen:
1. Frankfurt, Hamburg, Berlin? Like to visit my Shop?
2. HALLO GUTEN TAG AUF WIEDERSEHEN! Like to visit my Shop?
3. Oh, Germany! I have a very good friend in Munich (Berlin, Hamburg...), his name is, äh… Like to visit my Shop?
Wir hatten uns irgendwann angewöhnt “Czech Republic” zu sagen, was sich als Dialogtöter sehr bewährt hat. Die Tschechen scheinen hier nicht hoch im Kurs zu stehen!!


Aber für uns wird es jetzt nach fast 8 Wochen Zeit, Indien zu verlassen. Ein sehr deutliches Indiz dafür ist, dass wir uns gestern Abend in die Metro gesetzt haben, um den weiten Weg zu McDonalds zu fahren, nicht weitersagen!

Dienstag, 22. März 2011

Gods own country

So, das letzte Mal hatten wir uns von unserer Teeplatage aus gemeldet, und da haben wir dann auch eine ausgesprochen ruhige, abgeschiedene und internetfreie Zeit verbracht. Und schön war es da, mein lieber Mann! Die Keralaer nennen ihren Bundesstaat so wie in der Überschrift und geben damit natürlich ein bisschen an, aber das kann man schon verstehen.

Jedenfalls haben wir hier jede Menge schöne und interessante Dinge unternommen: die Plantage besichtigt, einen Crashkurs im Teepflücken absolviert, eine Kardammonplantage durchwandert, ein schwarzmagisches Dorf (angeblich!) besucht, eine Teefabrik angesehen, auf einem Elefanten geritten, Rikschafahren gelernt und uns mit hausgemachten keralischen Spezialitäten vollgestopft.








Einzig die wilden Tiere, wegen denen wir ursprünglich hergekommen waren, haben wir definitif nicht getroffen. Um genau zu sein, gibt es vermutlich in jeder Stadt in Rajastan (da sind wir nämlich mittlerweile) mehr wildlife zu sehen, als in dem dafür berühmten Peryar-Nationalpark, der ist nämlich ziemlich rummelig.

Von dort aus sind wir dann nochmal schlappe 20 Stunden im Zug Richtung Norden gefahren, um in Goa einen Freund aus England wieder zu treffen, mit dem wir auf der letzten Reise in Ulan Bator eine Jurte geteilt hatten. Das war sehr nett, und auch, wenn uns der Ort Arambol nicht so vom Hocker gehauen hat (ist mehr was für Langzeitpatienten), hat er uns Holi beschert, das Fest, bei dem sich alle mit Farbe bewerfen. Uns hat es allerdings auf dem Weg zum Strand erwischt, und so existiert nur ein einziges Farbfoto; weil wir ohne weiter nachzudenken direkt ins Wasser gesprungen sind und dann die ganze Pracht natürlich dahin war. 


Und jetzt sind wir also in Rajastan, wo wir eigentlich unsere Indienreise beginnen wollten; wie es aussieht werden wir sie statt dessen hier beenden. Aber aus Rajastan später mehr, das Schreiben ist hier ein bisschen unbequem, weil wir das Netzwerk des Hotels gegenüber angezapft haben. Und das funktioniert auch nur, wenn man sich mit dem Netbook ganz dicht ans Fenster quetscht, weil das Signal so schwach ist.

Sonntag, 13. März 2011

Survival of the fattest

oder „Am unteren Ende der Nahrungskette“


Indischer Verkehr ist wie Bio. Die Fetten, also Busse und LKW genießen absolute Priorität, alles andere reiht sich irgendwo dahinter ein und sieht buchstäblich zu, dass es nicht unter die Räder gerät. Und selbst auf einer 500er Royal Enfield Bullet, die obendrein mit einem Loch im Auspuff gesegnet war und damit eine beeindruckende Geräuschkulisse zu bieten hatte, fanden wir uns auf einem der hinteren Plätze der Rangordnung wieder, als wir uns eines schönen Tages in das etwa 60 Kilometer entfernte Anjuna aufmachten, zum allwöchentlich stattfindenden Hippiemarkt. Und es gibt sie noch: vor langer Zeit hängengebliebene Altfreaks, Second-Generation-Hippies und eine Menge sehr schräger Touristen. Bei Manchem hatte man das Gefühl, dass Indien im Allgemeinen und Goa im Besonderen auf Dauer nicht jedem guttut, naja. Viele sehr schöne Sachen gab es da, und wir hätten gerne jede Menge mitgenommen, aber das hätten wir dann für den Rest unserer Reise mitschleppen müssen und die Rucksäcke werden irgendwie von alleine schon immer voller. Auf dem Rückweg hatten wir uns dann auch schon ein bisschen an den Verkehr gewöhnt, und konsequent alle Scooterfahrer, Radler und Fußgänger zusammengehupt. Ja, so macht man das hier!




Unsere glückliche Rückkehr nach Hause haben wir dann mit ein paar Kingfisherbieren in geselliger Runde gefeiert. Im Laufe des Abends hat uns dann unser Wirt in rührseliger Stimmung zur Hochzeit eines Freundes am nächsten Tag eingeladen, was wir natürlich toll fanden. Angetan mit einem geliehenen Sari und einem noch schnell gekauften Doti sind wir dann losgefahren, und obwohl wir weder Braut noch Bräutigam noch sonstwen kannten und natürlich auch kein Geschenk dabei hatten, lediglich lächelnd dagesessen und am Buffet zugeschlagen haben, hat man sich nachher nochmal glaubhaft für unser Kommen bedankt, was uns fast ein bisschen peinlich war. Eine HindiHochzeit ist sehr farbenfroh, lebendig, vom Ablauf her für uns völlig undurchschaubar und für das Brautpaar sichtlich anstrengend.






Nach 2 Wochen Strand wars dann aber auch gut, wir haben die Badesachen weit nach unten in den Rucksack gepackt, uns den Sand aus den Ohren geschüttelt und sind, genau entgegen unserer ursprünglichen Planung nach Süden gefahren, in den Bundesstaat Kerala, dessen landschaftliche Schönheit uns von vielen Seiten gepriesen worden war. Und so sind wir in einem diesmal sehr schmandtigen Zug eine schmuddelige Nacht lang in das schöne Kochi gefahren, das noch heute sehr portugisisch aussieht und wo Vasco da Gama gestorben ist. Der eigentliche Grund hierherzufahren sind aber die Backwaters, ein riesiges Areal aus Flüsschen und Kanälen, in dem sich das Leben der Dorfbewohner nahezu vollständig am Wasser abspielt. Wie jeder hier haben wir natürlich auch mehrere Bootstouren gemacht, mal auf einem Reisboot, mal in einem Kanu und schließlich auf einer Fähre (3 Stunden für 10 Rupien, etwa 15 Cent). Sehr schön grün hier, es wächst und gedeiht fast alles, und man kann, was die indische Hektik und den Geräuschpegel angeht, mal in einen ganz anderen Gang schalten.





Uns gefällt das sehr gut, und so reisen wir hier ein bisschen herum. Mit einer Motorrikscha, die uns eigentlich nur zum Busbahnhof von Kochi bringen sollte, sind wir in 2 Stunden direkt zu unserem nächsten Ziel, nach Alleppey durchgebrettert. Das ist hier so eine typische Taxi- und Rikschafahrer-Masche. Man fragt nach dem Preis für eine Fahrt zum (Bus-)Bahnhof und bekommt erklärt, dass die Busse oder Bahnen sehr, sehr viele Stunden zum Zielort unterwegs seien, und man stattdessen doch wesentlich schneller und angenehmer (und teurer!) mit Taxi oder Rikscha fahren könne. Naja, das eine Mal haben wir es gemacht, weil wir es lustig fanden und man aus einer Rikscha heraus prima fotografieren kann.

Mittlerweile sind wir im Periyar-Nationalpark angekommen, und wohnen ganz ab vom Schuss in einem 300 Jahre alten Haus mitten in einer Teeplantage. Ach ja, von den angekündigten Wildtieren haben wir noch keines gesehen, aber auf der Busfahrt hierher (die etwa halb so lange gedauert hat, wie der Taxifahrer uns angedroht hat) haben wir endlich unseren ersten Elefanten gesehen. Und zwar im Gegenverkehr, auf einem LKW stehend, und die Ohren sehr schön im Fahrtwind schlackernd.


Bald kommt der nächste Post. Bis dahin. Incredible India!

Samstag, 26. Februar 2011

Mumbai, Mumbai, Mumbai tätätäää


Warum tun wir uns das an?
Tausende von Kilometern auf dem Motorrad frieren, tonnenweise LKW-Abgase schlucken, in den hinterletzten Truckermotels absteigen und billigen Wodka trinken, das soll Urlaub sein?
Beim nächsten Mal fahren wir irgendwo in die Sonne, legen uns zu den Palmen an den Strand und schlürfen Kokosnüsse leer, versprochen!
(so oft gedacht auf der letzten Reise, vorzugsweise auf dem Rückweg im Schneeregen zwischen Novosibirsk und dem Ural)
Und jetzt ist das nächste Mal und wir haben uns Indien als Reiseziel auserkoren, und was Sonne, Meer und die anderen Sachen betrifft, haut das gerade prima hin. Denn wir sind in Goa und hier lässt es sich aushalten.
Angefangen hat aber alles in Mumbai, dem ehemaligen Bombay. Da lässt es sich auch aushalten, wenn man es zwischendurch immer mal wieder mit der Hoteltüre aussperren kann, denn Mumbai ist schlicht ein Frontalangriff auf alle Sinne. Dass die größte Stadt Indiens verkehrstechnisch alles andere als ein Ponyhof ist, war uns schon vorher klar, aber wenn man mittendrin steckt, denkt man erstmal: Die sind alle verrückt hier! Jede noch so kleine Lücke im traffic jam wird sofort zugefahren, man quetscht sich in Milimeterarbeit aneinander vorbei, wenn eine Ampel auf Grün springt preschen alle wie angestochen los und jeder hupt, was das Zeug hält. Funktioniert aber trotzdem mehr oder weniger, wir haben pro Tag jeweils nur eine handgreifliche Auseinandersetzung erboster Verkehrsteilnehmer mitbekommen (eine davon, als wir morgens um 5 im Taxi zum Bahnhof gefahren sind, und uns ein anderes Taxi auf freier Strecke um Haaresbreite nicht gerammt hat).




Zu sehen gibt es in Mumbai natürlich auch eine Menge: Das Gateway of India (durch das King George nie hindurchgeschritten ist, war nicht rechtzeitig fertig), den schönen Victoria Terminus (von dem aus wir Mumbai Richtung Goa verlassen haben), das Prince of Wales Museum (für Inder 20 Rupien, für uns 300, ist aber überall so), die Hanging Gardens (die gar nicht hängen), die Türme des  Schweigens, in der die Parsi ihre Toten luftbestatten (sieht man nicht, nur die darüber kreisenden Vögel), schöne Kolonialbauten und runtergekommene Viertel. Uns hat, wie immer, das Leben auf der Strasse am besten gefallen, die Samosabäcker, Schuhputzer, Ohrenputzer, Zuckerrohrsaftpresser, Frauen mit heiligen Kühen im Schlepptau, Kathkauer, Matratzennäher, bekloppte Rikschafahrer und so weiter. 4 Tage haben bei weitem nicht gereicht, um mehr als einen flüchtigen Eindruck zu bekommen, und wir haben einiges von dem, was wie sehen wollten verpasst, aber wir hatten dann auch genug.

Nach unserer indischen Feuertaufe haben wir uns dann im Zug nach Goa aufgemacht, und diese erste 12-Stunden-Zugfahrt, der ja noch viele folgen sollen, hat uns richtig gut gefallen. Eigenen Proviant braucht man nicht, es kommen ununterbrochen Leute mit leckeren Kleinigkeiten, Tee und Kaffee vorbei, nette Mitreisende, weder das Abteil überfüllt noch die Klos verdreckt, und das Beste: man kann während der Fahrt ungestraft die Wagontüren aufmachen, sich in den warmen Fahrtwind stellen, die Landschaft genießen und dabei das Gefühl haben, etwas wahnsinnig Verbotenes zu tun.

Und jetzt Goa. Wir hatten Glück und haben eine wirklich schöne Ecke erwischt: weiter Strand, nicht rummelig, nettes und unschlagbar günstiges Guesthouse. Wir haben unseren Aufenthalt hier erstmal auf 2 Wochen verlängert. Und so pendeln wir zwischen dem badewannenwarmen indischen Ozean, kleinen Restaurants und unserem Balkon mit Blick auf Reisfelder und Wasserschweine hin und her und sind stinkfaul. Lesen, liegen am Strand, schlürfen Kokosnüsse...




                      Unser Zimmer im Heaven Goa Guesthouse

Aber jedesmal, wenn eine Royal Enfield Bullet an uns vorbeidonnert, wissen wir wieder, warum man sich tausende Kilometer auf dem Motorrad antut; es gibt einfach nichts Besseres, um ein Land zu bereisen (finden wir jedenfalls). Wir haben aber trotzdem in Anbetracht des indischen Verkehrs und der ganzen Flitzpiepen, die hier so unterwegs sind beschlossen, unsere Motorradambitionen zu begraben. Bis auf nächsten Mittwoch, da leihen wir uns mal eine Enfield um nach Anjuna zum Hippiegucken zu fahren.

Mittwoch, 2. Februar 2011

Indien wir kommen!

So, bald geht es wieder los. Am 14. Februar werden wir von Düsseldorf mit dem Flieger nach Indien reisen. Unsere erste Station wird Mumbai sein, dort werden wir vier Tage verbringen um uns zu aklimatisieren. Von dort ist geplant mit dem Zug nach Goa zu reisen und eine Woche Strandurlaub zu verbringen. Wie es dann weiter geht wissen wir aber noch nicht, auch der Termin für den Rückflug ist noch offen. Wie gewohnt werden wir hier von unserer Reise berichten, diesmal haben wir auch vorgesorgt und uns ein kleines Netbook zugelegt.