Dienstag, 22. März 2011

Gods own country

So, das letzte Mal hatten wir uns von unserer Teeplatage aus gemeldet, und da haben wir dann auch eine ausgesprochen ruhige, abgeschiedene und internetfreie Zeit verbracht. Und schön war es da, mein lieber Mann! Die Keralaer nennen ihren Bundesstaat so wie in der Überschrift und geben damit natürlich ein bisschen an, aber das kann man schon verstehen.

Jedenfalls haben wir hier jede Menge schöne und interessante Dinge unternommen: die Plantage besichtigt, einen Crashkurs im Teepflücken absolviert, eine Kardammonplantage durchwandert, ein schwarzmagisches Dorf (angeblich!) besucht, eine Teefabrik angesehen, auf einem Elefanten geritten, Rikschafahren gelernt und uns mit hausgemachten keralischen Spezialitäten vollgestopft.








Einzig die wilden Tiere, wegen denen wir ursprünglich hergekommen waren, haben wir definitif nicht getroffen. Um genau zu sein, gibt es vermutlich in jeder Stadt in Rajastan (da sind wir nämlich mittlerweile) mehr wildlife zu sehen, als in dem dafür berühmten Peryar-Nationalpark, der ist nämlich ziemlich rummelig.

Von dort aus sind wir dann nochmal schlappe 20 Stunden im Zug Richtung Norden gefahren, um in Goa einen Freund aus England wieder zu treffen, mit dem wir auf der letzten Reise in Ulan Bator eine Jurte geteilt hatten. Das war sehr nett, und auch, wenn uns der Ort Arambol nicht so vom Hocker gehauen hat (ist mehr was für Langzeitpatienten), hat er uns Holi beschert, das Fest, bei dem sich alle mit Farbe bewerfen. Uns hat es allerdings auf dem Weg zum Strand erwischt, und so existiert nur ein einziges Farbfoto; weil wir ohne weiter nachzudenken direkt ins Wasser gesprungen sind und dann die ganze Pracht natürlich dahin war. 


Und jetzt sind wir also in Rajastan, wo wir eigentlich unsere Indienreise beginnen wollten; wie es aussieht werden wir sie statt dessen hier beenden. Aber aus Rajastan später mehr, das Schreiben ist hier ein bisschen unbequem, weil wir das Netzwerk des Hotels gegenüber angezapft haben. Und das funktioniert auch nur, wenn man sich mit dem Netbook ganz dicht ans Fenster quetscht, weil das Signal so schwach ist.

Sonntag, 13. März 2011

Survival of the fattest

oder „Am unteren Ende der Nahrungskette“


Indischer Verkehr ist wie Bio. Die Fetten, also Busse und LKW genießen absolute Priorität, alles andere reiht sich irgendwo dahinter ein und sieht buchstäblich zu, dass es nicht unter die Räder gerät. Und selbst auf einer 500er Royal Enfield Bullet, die obendrein mit einem Loch im Auspuff gesegnet war und damit eine beeindruckende Geräuschkulisse zu bieten hatte, fanden wir uns auf einem der hinteren Plätze der Rangordnung wieder, als wir uns eines schönen Tages in das etwa 60 Kilometer entfernte Anjuna aufmachten, zum allwöchentlich stattfindenden Hippiemarkt. Und es gibt sie noch: vor langer Zeit hängengebliebene Altfreaks, Second-Generation-Hippies und eine Menge sehr schräger Touristen. Bei Manchem hatte man das Gefühl, dass Indien im Allgemeinen und Goa im Besonderen auf Dauer nicht jedem guttut, naja. Viele sehr schöne Sachen gab es da, und wir hätten gerne jede Menge mitgenommen, aber das hätten wir dann für den Rest unserer Reise mitschleppen müssen und die Rucksäcke werden irgendwie von alleine schon immer voller. Auf dem Rückweg hatten wir uns dann auch schon ein bisschen an den Verkehr gewöhnt, und konsequent alle Scooterfahrer, Radler und Fußgänger zusammengehupt. Ja, so macht man das hier!




Unsere glückliche Rückkehr nach Hause haben wir dann mit ein paar Kingfisherbieren in geselliger Runde gefeiert. Im Laufe des Abends hat uns dann unser Wirt in rührseliger Stimmung zur Hochzeit eines Freundes am nächsten Tag eingeladen, was wir natürlich toll fanden. Angetan mit einem geliehenen Sari und einem noch schnell gekauften Doti sind wir dann losgefahren, und obwohl wir weder Braut noch Bräutigam noch sonstwen kannten und natürlich auch kein Geschenk dabei hatten, lediglich lächelnd dagesessen und am Buffet zugeschlagen haben, hat man sich nachher nochmal glaubhaft für unser Kommen bedankt, was uns fast ein bisschen peinlich war. Eine HindiHochzeit ist sehr farbenfroh, lebendig, vom Ablauf her für uns völlig undurchschaubar und für das Brautpaar sichtlich anstrengend.






Nach 2 Wochen Strand wars dann aber auch gut, wir haben die Badesachen weit nach unten in den Rucksack gepackt, uns den Sand aus den Ohren geschüttelt und sind, genau entgegen unserer ursprünglichen Planung nach Süden gefahren, in den Bundesstaat Kerala, dessen landschaftliche Schönheit uns von vielen Seiten gepriesen worden war. Und so sind wir in einem diesmal sehr schmandtigen Zug eine schmuddelige Nacht lang in das schöne Kochi gefahren, das noch heute sehr portugisisch aussieht und wo Vasco da Gama gestorben ist. Der eigentliche Grund hierherzufahren sind aber die Backwaters, ein riesiges Areal aus Flüsschen und Kanälen, in dem sich das Leben der Dorfbewohner nahezu vollständig am Wasser abspielt. Wie jeder hier haben wir natürlich auch mehrere Bootstouren gemacht, mal auf einem Reisboot, mal in einem Kanu und schließlich auf einer Fähre (3 Stunden für 10 Rupien, etwa 15 Cent). Sehr schön grün hier, es wächst und gedeiht fast alles, und man kann, was die indische Hektik und den Geräuschpegel angeht, mal in einen ganz anderen Gang schalten.





Uns gefällt das sehr gut, und so reisen wir hier ein bisschen herum. Mit einer Motorrikscha, die uns eigentlich nur zum Busbahnhof von Kochi bringen sollte, sind wir in 2 Stunden direkt zu unserem nächsten Ziel, nach Alleppey durchgebrettert. Das ist hier so eine typische Taxi- und Rikschafahrer-Masche. Man fragt nach dem Preis für eine Fahrt zum (Bus-)Bahnhof und bekommt erklärt, dass die Busse oder Bahnen sehr, sehr viele Stunden zum Zielort unterwegs seien, und man stattdessen doch wesentlich schneller und angenehmer (und teurer!) mit Taxi oder Rikscha fahren könne. Naja, das eine Mal haben wir es gemacht, weil wir es lustig fanden und man aus einer Rikscha heraus prima fotografieren kann.

Mittlerweile sind wir im Periyar-Nationalpark angekommen, und wohnen ganz ab vom Schuss in einem 300 Jahre alten Haus mitten in einer Teeplantage. Ach ja, von den angekündigten Wildtieren haben wir noch keines gesehen, aber auf der Busfahrt hierher (die etwa halb so lange gedauert hat, wie der Taxifahrer uns angedroht hat) haben wir endlich unseren ersten Elefanten gesehen. Und zwar im Gegenverkehr, auf einem LKW stehend, und die Ohren sehr schön im Fahrtwind schlackernd.


Bald kommt der nächste Post. Bis dahin. Incredible India!

Samstag, 26. Februar 2011

Mumbai, Mumbai, Mumbai tätätäää


Warum tun wir uns das an?
Tausende von Kilometern auf dem Motorrad frieren, tonnenweise LKW-Abgase schlucken, in den hinterletzten Truckermotels absteigen und billigen Wodka trinken, das soll Urlaub sein?
Beim nächsten Mal fahren wir irgendwo in die Sonne, legen uns zu den Palmen an den Strand und schlürfen Kokosnüsse leer, versprochen!
(so oft gedacht auf der letzten Reise, vorzugsweise auf dem Rückweg im Schneeregen zwischen Novosibirsk und dem Ural)
Und jetzt ist das nächste Mal und wir haben uns Indien als Reiseziel auserkoren, und was Sonne, Meer und die anderen Sachen betrifft, haut das gerade prima hin. Denn wir sind in Goa und hier lässt es sich aushalten.
Angefangen hat aber alles in Mumbai, dem ehemaligen Bombay. Da lässt es sich auch aushalten, wenn man es zwischendurch immer mal wieder mit der Hoteltüre aussperren kann, denn Mumbai ist schlicht ein Frontalangriff auf alle Sinne. Dass die größte Stadt Indiens verkehrstechnisch alles andere als ein Ponyhof ist, war uns schon vorher klar, aber wenn man mittendrin steckt, denkt man erstmal: Die sind alle verrückt hier! Jede noch so kleine Lücke im traffic jam wird sofort zugefahren, man quetscht sich in Milimeterarbeit aneinander vorbei, wenn eine Ampel auf Grün springt preschen alle wie angestochen los und jeder hupt, was das Zeug hält. Funktioniert aber trotzdem mehr oder weniger, wir haben pro Tag jeweils nur eine handgreifliche Auseinandersetzung erboster Verkehrsteilnehmer mitbekommen (eine davon, als wir morgens um 5 im Taxi zum Bahnhof gefahren sind, und uns ein anderes Taxi auf freier Strecke um Haaresbreite nicht gerammt hat).




Zu sehen gibt es in Mumbai natürlich auch eine Menge: Das Gateway of India (durch das King George nie hindurchgeschritten ist, war nicht rechtzeitig fertig), den schönen Victoria Terminus (von dem aus wir Mumbai Richtung Goa verlassen haben), das Prince of Wales Museum (für Inder 20 Rupien, für uns 300, ist aber überall so), die Hanging Gardens (die gar nicht hängen), die Türme des  Schweigens, in der die Parsi ihre Toten luftbestatten (sieht man nicht, nur die darüber kreisenden Vögel), schöne Kolonialbauten und runtergekommene Viertel. Uns hat, wie immer, das Leben auf der Strasse am besten gefallen, die Samosabäcker, Schuhputzer, Ohrenputzer, Zuckerrohrsaftpresser, Frauen mit heiligen Kühen im Schlepptau, Kathkauer, Matratzennäher, bekloppte Rikschafahrer und so weiter. 4 Tage haben bei weitem nicht gereicht, um mehr als einen flüchtigen Eindruck zu bekommen, und wir haben einiges von dem, was wie sehen wollten verpasst, aber wir hatten dann auch genug.

Nach unserer indischen Feuertaufe haben wir uns dann im Zug nach Goa aufgemacht, und diese erste 12-Stunden-Zugfahrt, der ja noch viele folgen sollen, hat uns richtig gut gefallen. Eigenen Proviant braucht man nicht, es kommen ununterbrochen Leute mit leckeren Kleinigkeiten, Tee und Kaffee vorbei, nette Mitreisende, weder das Abteil überfüllt noch die Klos verdreckt, und das Beste: man kann während der Fahrt ungestraft die Wagontüren aufmachen, sich in den warmen Fahrtwind stellen, die Landschaft genießen und dabei das Gefühl haben, etwas wahnsinnig Verbotenes zu tun.

Und jetzt Goa. Wir hatten Glück und haben eine wirklich schöne Ecke erwischt: weiter Strand, nicht rummelig, nettes und unschlagbar günstiges Guesthouse. Wir haben unseren Aufenthalt hier erstmal auf 2 Wochen verlängert. Und so pendeln wir zwischen dem badewannenwarmen indischen Ozean, kleinen Restaurants und unserem Balkon mit Blick auf Reisfelder und Wasserschweine hin und her und sind stinkfaul. Lesen, liegen am Strand, schlürfen Kokosnüsse...




                      Unser Zimmer im Heaven Goa Guesthouse

Aber jedesmal, wenn eine Royal Enfield Bullet an uns vorbeidonnert, wissen wir wieder, warum man sich tausende Kilometer auf dem Motorrad antut; es gibt einfach nichts Besseres, um ein Land zu bereisen (finden wir jedenfalls). Wir haben aber trotzdem in Anbetracht des indischen Verkehrs und der ganzen Flitzpiepen, die hier so unterwegs sind beschlossen, unsere Motorradambitionen zu begraben. Bis auf nächsten Mittwoch, da leihen wir uns mal eine Enfield um nach Anjuna zum Hippiegucken zu fahren.

Mittwoch, 2. Februar 2011

Indien wir kommen!

So, bald geht es wieder los. Am 14. Februar werden wir von Düsseldorf mit dem Flieger nach Indien reisen. Unsere erste Station wird Mumbai sein, dort werden wir vier Tage verbringen um uns zu aklimatisieren. Von dort ist geplant mit dem Zug nach Goa zu reisen und eine Woche Strandurlaub zu verbringen. Wie es dann weiter geht wissen wir aber noch nicht, auch der Termin für den Rückflug ist noch offen. Wie gewohnt werden wir hier von unserer Reise berichten, diesmal haben wir auch vorgesorgt und uns ein kleines Netbook zugelegt.

Donnerstag, 7. Oktober 2010

Turkish Delight

Da sind wir so vom Gefuehl her gerade in der Tuerkei angekommen, und schon sitzen wir in Istanbul, welches unsere letzte Station in der Tuerkei sein wird, und genau genommen auch die letzte Station unserer Reise, denn danach steht die Rueckfahrt an, weil wir rechtzeitig zu Koljas Geburtstag zu Hause sein wollen.
Die Zeit hier ist rasend schnell vergangen, vielleicht liegt das daran, dass die Tuerkei einfach ein sehr kurzweiliges Land ist, die Landschaft oft ihr Gesicht aendert und es immer was zu sehen gibt. Ausserdem laesst es sich wirklich schoen reisen, die Strassen sind klasse und es ist nichts los, was mit Sicherheit an den Spritpreisen liegt: 1,85 € der Liter!!! Aber das ermoeglicht eben auch einer Schildkroete, eine vierspurige Strasse ohne Delle im Panzer zu ueberqueren.






Da wir ja urspruenglich nicht geplant hatten, hierher zu fahren und auch beide noch nie vorher hier waren, sind uns mit Sicherheit soviele Sehenswuerdigkeiten entgangen, dass die ein ganzes Buch fuellen wuerden. Wir haben also unsere Route mit Hilfe des www. und einem sensationell schlechten Reisefuehrer, den wir nach langer Suche in einer Trabzoner Buchhandlung ausgegraben haben (und den wir eigentlich nur anstandshalber im Ballast mit uns herumschleppen) zurechtgestrickt.






                           Handwerker ın Trabzon


Und wir hatten Glueck. So lag zufaellig das beruehmte Sumela-Kloster so direkt an unserem Weg, dass wir gar nicht anders konnten, als es zu besichtigen, und als wir dann mal da waren, fiel uns auch ein, dass es gerade erst in den Nachrichten erwaehnt worden war, weil die Tuerken den orthodoxen Griechen gestattet hatten, dort nach ueber 80 Jahren eine Messe zu feiern. Erinnert sich jemand dran? Zu besichtigen gibt es dort, abgesehen von ein paar Fresken nicht viel, aber uns hat gefallen, wie das Kloster dort hoch oben an der Felswand klebt, weit ab von allem. Das muss ein ausgesprochen moenchisches Leben gewesen sein, als es dort noch Moenche gab, mein lieber Mann!!!


                          Sumela-Kloster

Von dort aus sind wir durch die Berge, ueber eine Reihe von Paessen (ganz schoen kalt da oben, wir haben uns jeden Tag zu der Entscheidung beglueckwuenscht, nicht nach Tadjikistan mıt seinen 4000er-Paessen gefahren zu sein) und durch unzaehlige Tueneli (eine unserer beiden neuen tuerkischen Lieblingsvolabeln, die andere ist Tuvalet) nach Zentralanatolien, genaugenommen nach Kappadokien gefahren. Und diese Gegend aus Tuffstein, aus denen das Wetter der letzten zigtausend Jahre und einige, vor ihren Verfolgern Schutz suchende Christen beeindruckende Felsformationen, gelegentlich gespickt mit Hoehlen, Kirchen und Kloestern hervorgebracht haben, ist eine der schoensten Landschaften, die wir auf unserer Reise gesehen haben.








Und hier haben wir dann auch mal angefangen, ein paar Erinnerungsstuecke einzukaufen: 5 wunderschoene Glasmosaiklampen und ein paar sehr zerbrechliche Tuffsteinhoehlengebilde, leider ein bisschen bloed zu transportieren auf den Mopeds, wenn wir die heil nach Hause kriegen, sind wir richtig gut!!!
Auf unserer Weiterfahrt nach Pamukkale haben wir noch in der Stadt Konya Station gemacht, die fuer ihre tanzenden Derwische beruehmt ist. Wir wissen jetzt auch, worin der Derwischtanz seinen Ursprung hat, haben uns aber trotzdem keinen angesehen; Leuten, die sich stundenlang im Kreis drehen, sehen wir einfach beide nicht gerne zu. Ich vermute mal, das weckt in jedem Sonderschullehrer den Impuls, eingreifen zu wollen, auch wenn er sich noch so sehr im Sabbatjahr befindet.
Fuer Pamukkale lassen wir mal die Fotos sprechen. Fuer die beiden Tage dort hatten wir uns sehr dringend Sonne gewuenscht ("Bloss keinen Regen in Kappadokien, auf gar keinen Fall in Pamukkale und auf den Mopeds sowieso nicht, also wenn schon, dann in Istanbul") Hat auch alles genau so geklappt!!!











Und so sitzen wir jetzt bei stroemendem Regen in unserem Hostel und sind vermutlich die einzigen Weicheier hier, die sich weigern in die Stadt zu gehen. Aber wenn man mal fuer laengere Zeit Moped gefahren ist, reagiert man auf Regen ganz fuerchterlich allergisch! Und so haben wir jetzt ausgiebig Gelegenheit zu bloggen, den Fotos auf ihrem laaaaaaaaaaangen Weg des Upload Gesellschaft zu leisten und Tee zu trinken.
Das haben wır hier schon stunden- und literweise getan, und das nicht nur in der Gastronomie, sondern auch bei allen moeglichen anderen Gelegenheiten, z.B an Tankstellen, beim Zoll und in einem Haushaltswarenladen in Siwas, in dem wir wegen eines ploetzlichen Wolkenbruchs Zuflucht gesucht hatten. Und die Bestellung des Fruehstueckstees auf der Faehre war auch fuer Gunnar der Anlass, seine brandneuen Tuerkischkenntnisse erstmalig an den Mann zu bringen. Das war auch das einzige Mal, dass wir morgens drei Tee hatten, wir haben dann in Trabzon erstmal ein Woerterbuch gekauft.
Und daraus ergibt sich auch als logische Konsequenz das Russland, die Tuerkei und auch die Mongolei (obwohl der gesalzene Milchtee da einfach scheusslich war) gleichermassen repraesentierende, noch zu kaufende und irgendwie zu verstauende Souvenir: ein Samowar!

Samstag, 25. September 2010

Raus aus Russland

So, wir sind in Sochi gelandet, genauer gesagt, nebenan in Adler, nur einen Steinwurf von der georgischen Grenze entfernt, die wir aber leider nicht passieren koennen, weil Abchasien dazwischen liegt und die haben Streit mit Georgien, so dass wir wahrscheinlich auf die teure Faehre nach Trabzon ausweichen muessen um in die Tuerkei zu kommen. Die geht aber erst in 1 oder 2 Tagen, wenn sie halt genuegend ausgebucht ist, Aber wir sind optimistisch, das rechtzeitig rauszukriegen. So lange geniessen wir noch unsere Pause, die zum jetzigen Zeitpunkt auch wirklich faellig ist, weil wir in der letzten Zeit viel gefahren sind und langsam muede werden.
Begegnung am Strassenrand ın Sochi



Das letzte Mal hatten wir uns von Barnaul aus gemeldet, und als wir uns von dort aus auf den weiten Weg nach Samara machen wollten, konnten wir erstmal die festgefrorenen Schafsfelle von den Sitzbaenken losstemmen, was der Auftakt zu einer ziemlich sibirischen Reise, mit Schnee zwischendurch und vielen Tee-und-Borschtsch-Aufwaermpausen war. Nach 5 Tagen, die nicht unbedingt zu den Hoehepunkten unserer Reise zaehlen, sind wir dann endlich in Samara angekommen und hatten das Glueck, keinen Schimmer zu habe, wo wir haetten unterkommen koennen. Also sind wir den MacDonalds-Schildern gefolgt, da MD sich ja meist an touristischen Zentren festzeckt, und haben dort Anna, Aljoscha und Kolja getroffen, die uns nicht nur bei der Hotel- und Stajankasuche geholfen, sondern uns auch 2 tolle Abende beschert haben, und denen wir neben einer Einladung zu sich nach Hause und 2 Stadtrundfahrten auch eine Einfuehrung ins russische Billard verdanken (riiiiiiesiger Tisch mit verteufelt kleinen Loechern, aber wir haben uns einigermassen geschlagen, so 3- ungefaehr). Samara ist eine freundliche Stadt, die wir unter busy-boomtown abgelegt haben, und die wunderschoen an der Wolga (mit tollem Stadtstrand) liegt. Und schoen warm war es dort dann auch wieder.


                                                 Rakete in Samara

Keine Ahnung, was da mit der Wolga los war...

Weiter sind wir dann nach Wolgograd gefahren, und hatten uns auf eine langweilige (weil nach dem Krieg auf dem Reissbrett neu entstanden) und ganz im sowjetischen Heldenkult stehende Stadt eingestellt. Ersteres trifft gar nicht zu: Wolgograd ist wirklich schoen, viele tolle Gebaeude, viele Museen und Theater, freundlich, gut aufgestellt und vom Verkehr her die bisher angenehmste Stadt.
Pelmeni-Restaurant in Wolgograd

Letzteres trifft dagegen 150%ig zu. Der Krieg, der Sieg und die Helden, die daraus hervorgegangen sind, sind allgegenwaertig in Gedenkstaetten, Strassennamen, Hammer/Sicher/Orden an allen moeglichen oeffentlichen Gebaeuden und natuerlich "Mutter Heimat ruft", die Gedenkstaette schlechthin und in ihren Dimensionen beeindruckend bis erschlagend. Auch in Wolgograd haben wir dank ein paar netter Leute viel gesehen und viele Antworten auf unsere Fragen bekommen. Gut gefallen hat uns auch die Geschichte der tanzenden Bruecke (hier schoen anzusehen http://www.youtube.com/watch?v=G0RcnngwJ_Q ). Wir sind auch drueber gefahren, da hat sie aber still gehalten.




Und jetzt liegen wir am Strand, verdauen genuesslich unsere Eindruecke und ueberlegen, was uns fehlen wird, wenn wir Russland verlassen haben und was nicht.Was uns neben den vielen netten Leuten, der tollen Kueche, den oft beeindruckenden Lndschaften, den schoenen Staedten und den Benzin- und Zigarettenpreisen (seit die Waelder nicht mehr brennen muss Gunnar wieder selbst rauchen) fehlen wird, ist unsere neue Lieblings-Wochenendbeschaeftigung: Hochzeiten gucken. Wenn in Russland Extrovertiertheit auf das noetige Kleingeld trifft, werden Hochzeiten als riesiges oeffentliches Event zelebriert, man faehrt in aufwaendig geschmueckten Limousinen Korso zu irgendwelchen HotSpots der Stadt, wo sich die Hochzeitsgesellschaften die Klinke in die Hand geben, macht Fotos, dreht Videos, laesst weisse Tauben fliegen, bringt gemeinsam ein Schloss an einem Brueckengelaender an und zeigt vor allem Kleider- und HighHeeltechnisch was man hat. Und das faellt immer unter die Nicht-kleckern (ausser zwischendurch mit Champanskoje)-sondern-Klotzen (aber richtig!)-Kategorie. Auf uns hat das gewirkt wie Bollywood in HappyEndlosschleife, und es werden sich bestimmt hunderte russische jungvermaehlte Paare fragen, wer die beiden schlechtgekleideten Trottel sind, die keiner eingeladen hat, die aber auf jedem Foto freundlich laecheln.




Was wir mit Sicherheit nicht vermissen werden, sind neben den bescheuerten Grenzformalitaeten, den langsamen LKW, den noch langsameren Internetverbindungen und den Toiletten am Wegesrand die Verkehrspolizisten. Die lauern wirklich ueberall, obwohl wir nur einmal wirklich Aerger hatten und wegen einer ueberfahrenen durchgezogenen Linie 500 Euro Strafe zahlen sollten. Jeder, versteht sich. Ansonsten Protokoll, Gerichtsverhandlung, Verurteilung und was auch immer wir dann nicht mehr verstanden haben, weil wir sowieso kein Russisch mehr verstanden haben, und den halbstuendigen Redeschwall mit der immer wiederkehrenden Aufforderung, gefaelligst das Geld zu besorgen, wenn wir es denn nicht haetten, ueber uns haben ergehen lassen wie Forrest Gump die Gespraeche ueber Shrimps. Schliesslich haben wir uns dann auf den Inhalt unseres Kann-ruhig-geklaut-werden-Portemonnaies (knapp 10 Euro) geeinigt, unsere Fuehrerscheine zurueckgekriegt, und daran, dass wir hier bloggen seht ihr, dass wir weiterfahren durften und ums Steinekloppen gerade nochmal herumgekommen sind!

Leider hat es mal wieder nicht funktioniert, Bilder oder Videos einzustellen. Die Seuche. Aber das soll uns eine Lehre sein, bei der naechsten Reise werden wir besser darauf Vorbereitet sein und ein Netbook mitnehmen. Sollten wir noch einen besseren Internetzugang finden, so werden wir spaeter noch Bilder hinzufuegen.

Samstag, 11. September 2010

Halbzeit

Wir sind wieder in Russland, genau genommen in Barnaul, von wo aus wir eigentlich in suedlicher Richtung nach Zentralasien rollen wollten. Wir haben uns aber zu der schmerzlichen Entscheidung durchgerungen, das nicht zu tun, weil es den Motorraedern nach dem Ritt ueber die mongolischen Pisten nicht mehr so richtig gut geht (alle vier Ersatzschlaeuche aufgebraucht, Kofferhalterung abgerissen, Barabaras Q oelt aus allen Federelementen, beide Ventildeckel bei Gunnars Q angeschlagen, bei beiden die Bremsfluessigkeitsbehaelter angeschlagen und jede Menge Kleinkram), wir Sorge wegen moeglicher Wintereinbrueche haben (hatten wir in der Mongolei schon einen kleinen Vorgeschmack, war gar nicht lustig), von Reisen nach Kirisistan immer noch abgeraten wird, und unser usbekisches Visum erst so spaet beginnt, dass wir einen ganzen Monat in Kasachstan verbringen muessten, und dazu haben wir keine Lust.
Also haben wir beschlossen, statt dessen auf einer anderen Route durch Russland zurueck ans schwarze Meer zu fahren und von Sotchi aus eine Faehre in die Tuerkei zu nehmen, die uns ueber Zentralasien hinweg troesten soll. Aber mal ganz abgesehen von unserem usbekischen Kummer freuen wir uns, dass Russland uns wieder hat. Besonders die Altai-Region ist spektakulaer schoen, und waere sie nicht so weit ab vom Schuss (Glueck fuer sie!) touristisch garantiert voellig ueberrrant.
Jetzt stehen erst mal ein paar Fahrtage an, denn nach Samara, welches die naechste Stadt ist die wir uns ansehen wollen, sind es mehr als 2500 km.
Aber Asphalt, juhu!!!
Leider hat es diesmal wieder nicht geklappt, ein Video noch ein Foto hochzuladen, deshalb heute ohne Augenschmaus.